Italienisch gefärbte Familienbande
Vor drei Jahren überraschte Giovi Russo
die Musikwelt: aus den englisch singenden Giovi & The Rubber
Soul entstand der Italorock-Act Russo. Geblieben sind die
Leidenschaft und das Herz, mit dem der Italozürcher Russo
Musik macht: Cuore e Passione. Nach dem aufsehenerregenden
Debüt "Pace Amore Fantasie" erscheint nun der nicht
minder betörende Zweitling "Insieme". Der Titel
ist Programm, die CD ist eine pure Familienangelegenheit,
nicht nur weil Russos Tochter Sandra einmal mehr mit von der
Partie ist.
Eine Band als Familie, eine wahrhaft romantische Vorstellung!
Bei Russo trifft sie vollumfänglich zu, sogar auf zwei Ebenen.
Da wäre einmal der kollegiale Aspekt jener Truppe, die aus
den Trümmern der legendären Soulband Giovi & The Rubber Soul
hervor gegangen ist. Das Sextett bildet nicht nur musikalisch,
sondern auch menschlich eine verschworene Einheit, die durch
dick und dünn geht. Und da wäre noch das Frontgespann Giovi
und Sandra Russo aus Zurigo, Vater und Tochter, beide mit
viel typisch italienischem Charme und souligen Stimmen gesegnet,
die wie geschaffen für einander sind. Nachzuhören auf dem
neuen Album "Insieme", dem beeindruckenden Nachfolger
von "Pace Amore Fantasie". 2004 liess Giovi Russo
aufhorchen. Die Soultruppe Giovi & The Rubber Soul, die noch
vor dem grossen Soul-Revival für schweisstreibende Konzerte
sorgte, das Jazz Festival Montreux zum Beben brachte und für
u.a. Joe Cocker oder UB40 das Vorprogramm bestritt, wurde
ad acta gelegt. "Ich spürte instinktiv, dass die Zeit
für etwas Neues gekommen war", verrät Giovi Russo und
schlürft an seinem Espresso. "Wir hatten neue Songs geschrieben,
aber mit den englischen Texten konnte ich einfach nicht ausdrücken,
was ich fühlte." Russo verabschiedete sich in seine Heimat
Kalabrien, um im Süden Italiens italienische Texte zu schreiben.
Mit dieser Sofortmassnahme überraschte er die Band, die seine
italienischen Texte aber auf Anhieb toll fand. Aus Giovi &
The Rubber Soul waren Russo, aus dem reinen Soul- eine Poprock-Band
geworden.
"Pace Amore Fantasie" wurde von Publikum und Kritik
äusserst freundlich aufgenommen und erntete durchwegs positive
Kritiken. Bei den Konzerten stach vor allem das Duo Russo/Russo
hervor. Hier der glatzköpfige Musikveteran mit der kräftigen
Powerstimme, der erste Gehversuche bereits in den 60er Jahren
unternommen hatte, da die 25-jährige Sandra, ein Naturtalent
mit einer begnadeten Soulröhre. Klar, dass diese energetische
Kombination auch auf "Insieme" nicht fehlen darf,
beispielsweise bei der souligen Gänsehautballade, dem Duett
"Forti Insieme", geschrieben von Giovi Russo und
Drummer Ueli Spörri. Aber auch Russos langjähriger Tastenmann
Andi Müller sowie Gitarrist Andy Baumann und Saxofonist/Gitarrist
Fio Turrin haben sich am Songwriting-Prozess beteiligt. Ergänzt
wird die Band durch den neuen Bassisten Thomas Tschopp, der
früher u.a. bei Pommes Fred und Liz Libido "die Böden
legte", wie es in der Fachsprache so schön heisst. Der
Albumtitel "Insieme" ist Programm, Russo ist eine
familienorientierte Herzensangelegenheit, die nach demokratischen
Gesichtspunkten funktioniert.
"Insieme", das von Thomas Fessler (Florian Ast,
Plüsch, Lockstoff) produziert wurde, fällt durch seine kraftvoll
rockige Produktion auf, man beachte u.a. die ersten beiden
Stücke "Come Un Sospiro (Mi Sento)" und "Piccola
Stella", die auch einem Vasco Rossi gut anstehen würden!
Aber egal ob Rock, Soul oder Pop: "Insieme" ist
ein Album geworden, das von Herzen kommt, so wie es sich für
eine echte Familienangelegenheit eben gehört.
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